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50 Jahre manu factum
Acht Staatspreise im Kunsthandwerk Nordrhein-Westfalen vergeben
25. Landesausstellung vom 8. Oktober bis 20. November im Kreismuseum Zons
Zum 25. Mal zeigen die besten Kunsthandwerker aus Nordrhein-Westfalen in der Landesausstellung manu factum einen Querschnitt ihres Schaffens vom klassischen Kunsthandwerk bis zur angewandten Kunst. Gastgeber der Ausstellung ist im Jubiläumsjahr das Kreismuseum Zons.
Rund 350 Bewerbungen gingen für die mit insgesamt 45.000 Euro dotierten Staatspreise im Kunsthandwerk NRW ein, davon wurden 112 Teilnehmer für die manu factum 2011 zugelassen. Eine Fachjury aus Vertretern der Landesregierung, des Kunsthandwerks, der Wissenschaft und der Museen sowie der Kunst und Architektur vergab sieben Staatspreise in den Kategorien Schmuck, Gerät aus Metall, Holz, Textil / Leder, Keramik, Glas und Fotografie / Papier. Ein zusätzlicher Preis für besondere kunsthandwerkliche Leistungen wurde im Bereich Keramik ausgelobt. Keine Auszeichnung gab es diesmal für den Werkbereich Stein.
NRW-Wirtschaftsminister Harry K. Voigtsberger wird die Staatspreise bei der Eröffnung der Ausstellung am Samstag, 8. Oktober, um 14 Uhr im Museum in Zons feierlich überreichen. Grußworte sprechen die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks, Roos Arntz-van Doren und der Präsident der Handwerkskammer, Prof. Wolfgang Schulhoff.
Beim Schmuck sind die meisten Einsendungen und Ausstellungsstücke zu verzeichnen, gefolgt von Arbeiten aus Holz sowie – vielleicht die größte Veränderung gegenüber den Vorjahren – dem Bereich Fotografie / Papier, in dem es 15 Arbeiten (fast die Hälfte der Bewerbungen) in die engere Wahl schafften. Erfreulich ist hier wie auch in allen anderen Kategorien, die große Bandbreite.
Neben der Düsseldorferin Karin Groth, die für ihre farbigen Broschen aus Kunststoff „von verblüffender Funktionalität“ ausgezeichnet wurde, erhielt mit Wilfried Grootens aus Kleve ein weiterer Kunsthandwerker aus dem Kammerbezirk Düsseldorf den begehrten Preis. Sein Glaskubus aus 38 geschliffenen und bemalten Glasscheiben gewährt überraschend vielfältige Innenansichten. Gleich drei Auszeichnungen gehen nach Köln: Jörg Ballnath überzeugte die Jury mit seinem zeitlosen Ensemble bestehend aus Kleid und Schal von hoher gestalterischer und handwerklicher Qualität (Doppelgewebe aus Wolle, Leinen und Seide). Marion Koells Fotoserie dokumentiert ein Hilfsprojekt in Ghana: das war der Jury die höchste Auszeichnung im Bereich Fotografie / Papier wert. Beim Gerät aus Metall lobte die Jury das von Corinna Loelgen geschaffene Dessertbesteck zu Recht als „herausragenden Beitrag des metallgestaltenden Handwerks“. In Hoffnungsthal hat sich Keramikerin Uta Katharina Becker auf Raku-Brand spezialisiert – präzise und subtil zugleich gelingt die Umsetzung dieser aufwändigen Technik in ihrem zweiteiligen Objekt. Sie komplettiert die Riege der Sieger aus dem Kölner Kammerbezirk. Oliver Hintzen aus Aachen legte erst im letzten Jahr die Abschlussprüfung an der Akademie für Handwerksdesign ab. Sein Sessel besticht durch hervorragende Verarbeitung, Sitzkomfort und Sinnlichkeit. Am äußersten Rand von NRW wirkt Renate Hahn (Bad Laasphe), die sich über den Sonderpreis im Bereich Keramik freute. Ihr poetisches Werk trägt den Titel „Verwehtes Gespräch“.
Die Ausstellung ist vom 8. Oktober bis zum 20. November zu sehen im Kreismuseum Zons, Schloßstraße 1, 41541 Dormagen-Zons, (geöffnet Die bis Fr von 14 bis 18 Uhr und Sa,So, Feiertag von 11-18 Uhr). Der Katalog kostet 15,- Euro (erhältlich im Museum oder über die Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks NRW, Georg-Schulhoff-Platz 1, 40221 Düsseldorf, Tel. 0211 - 87 95-391).
Weitere Informationen und Bildmaterial können unter Tel. 0211-87 95-171 oder E-Mail:
kerkmann@hwk-duesseldorf.de (Kontakt: Frauke Kerkmann) angefordert werden.
Staatspreis Werkbereich Schmuck
| bitte auf die Bilder klicken um ein Bild des Staatspreises zu sehen | |
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Karin Groth
für die Arbeit honeyCOMBinations flexible Kunststoffmatten
B e g r ü n d u n g : Die Broschen honeyCOMBinations bestehen aus von Hand geschnittenen, flexiblen Kunststoffmatten, die sich mit Hilfe einer Acrylkugel am Kleidungsstück befestigen lassen.
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Staatspreis Werkbereich Gerät aus Metall
Corinna Loelgen
für die Arbeit Meranthium Dessertbesteck
B e g r ü n d u n g : Vieles Großartige erhält seine beeindruckende Qualität dadurch, dass es aus dem Kleinen heraus einen ganz besonderen Impuls ausstrahlt, der zu einer großen Wirkung führt. Diese Magie gilt ganz besonders bei Gegenständen des täglichen Gebrauchs, die bei der Nutzung wegen der besonderen Gestaltung auch ohne den zu erfüllenden Zweck schon Freude bereiten: So wie bei diesem Besteck, dass auch ohne das Ereignis der Mahlzeit schon Wohlgefallen auslöst. Es ist tatsächlich ein herausragender Beitrag des metallgestaltenden Handwerks in Nordrhein-Westfalen und erhält deshalb den Staatspreis.
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Staatspreis Werkbereich Keramik
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Uta Katharina Becker www.uta-k-becker.de
für die Arbeit o. T. schwarzes und weißes Gefäß
B e g r ü n d u n g : Die Bewerberin wählt eine schlichte geometrische Grundform für die zweiteilige Arbeit, die mit großer Präzision ausgeführt wurde. Für den Brand entschied sie sich für die Rakutechnik, die sonst häufig wegen ihrer spektakulären Effekte verwendet wird. Hier jedoch sehen wir diese Technik sehr subtil angewendet, ein feines Craquelé durchzieht die weiße Glasur vom Rand her und bildet einen gelungenen Gegensatz zur leicht strukturierten Fläche des zweiten Körpers.
Die zwei Elemente erlauben verschiedene reizvolle Positionierungen und sind dadurch sehr gut für den Gebrauch geeignet.
Eine konzeptionell hervorragende und sehr gekonnt ausgeführte Arbeit. |
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Staatspreis Werkbereich Holz
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Oliver Hintzen
für die Arbeit Sessel formverleimtes Sitzmöbel
B e g r ü n d u n g : Der Sessel aus dünnem Birkensperrholz soll den Staatspreis 2011 im Werkbereich Holz erhalten. Er ist mit ebenso großer handwerklicher, materialtechnischer wie mit künstlerischer, raumgestalterischer Kompetenz entworfen und hergestellt. Er zeigt hervorragende Verarbeitung von Holzflächenelementen, die in Vakuumpresstechnik gebogen, formverleimt und durch Nieten und Stahlstreben zusammengefügt sind. Dabei ist eine einprägsame Raumgestalt entstanden, die erlesene Details an den Verbindungspunkten zeigt. Die ergonomische Qualität der Konstruktion wird im Sitzkomfort deutlich, die ökonomische im sparsamen Einsatz der Mittel. Dabei treten sinnliche Eigenschaften erfreulich hervor, insbesondere die angenehmen Tastqualitäten sowie ganzheitliche Raumwirkungen und überraschende Innen-Außen-Wirkungen des Volumens.
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Staatspreis Werkbereich Glas
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Wilfried Grootens
für die Arbeit: Where the shark bubbles blow Glaswürfel
B e g r ü n d u n g : 38 von allen Seiten geschliffene und polierte Glasscheiben, jede zudem mit einem fein gemalten fächerförmigen Muster versehen, wurden zu einem Kubus gestaltet.
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Staatspreis Werkbereich Textil, Leder
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Jörg Ballnath
für die Arbeit: Doppelgewebe, Rippen und Falten zweiteilig, Kleid und Tuch
B e g r ü n d u n g : Das schwarze Kleid aus Stoffbahnen wird ergänzt durch einen breiten, grauen, schwarz gerahmten Schal, der durch anheften, wickeln, knoten oder drapieren vielfältige Ausdrucksformen des Ensembles ermöglicht. Die fast kantig anmutende Geometrie des Kleides steht im spannungsreichen Kontrast zu dem durch die verschiedenen Drapierungen weich fallenden Schal und zu den unterschiedlichen plastischen Strukturen des handgewebten Stoffes bei beiden Teilen des Ensembles. Die Träger des Kleides wachsen regelrecht aus den rechteckigen Stoffbahnen als einzelne Fäden heraus und ihre entsprechend filigrane Wirkung lässt dort die Haut der Trägerin durchscheinen. Es entsteht ein weiterer wirkungsvoller Kontrast zwischen Verhüllung und Entblößung, der durch den drapierten Schal noch unterstützt wird. Das Ensemble weist eine äußerst hohe gestalterische und handwerkliche Qualität auf, die nicht auf modische, schnelllebige Trends setzt. Es werden sehr gekonnt Tradition und zeitgenössische Mode miteinander verbunden und so zu einer längerfristig gültigen Aussage geführt.
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Staatspreis Werkbereich Papier, Fotografie
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Marion Koell
Arbeit: Entwicklungshilfe von Bürger zu Bürger
B e g r ü n d u n g : Auch wenn die Aufnahmen der Fotografin Marion Koell dokumentarischen Charakter haben, vermitteln sie als künstlerische Aussage weit mehr als ein bloßes Abbild der Realität. Marion Koell begleitete ein deutsches Ärzteteam nach Ghana und dokumentierte die „Operation Hernia“, ein Projekt der Entwicklungshilfe von Bürger zu Bürger. Mit ihren Aufnahmen verleiht die Fotografin Krankheit und Not ein Gesicht. In Bildern voller Würde kommen die Ängste und Hoffnungen der Menschen in dem noch immer von Armut gezeichneten Land in Westafrika zum Ausdruck. Der Fotografin Marion Koell gelingen ergreifende Momentaufnahmen, die dennoch respektvolle Distanz bewahren. Gesichter zu betrachten, die kaum Hoffnung und wenig Freude ausstrahlen, machten den Betrachter nachdenklich und regten an, über Armut und ihre Auswirkung auf das individuelle Leben nachzudenken.
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Staatspreis/Sonderpreis Werkbereich Keramik
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Renate Hahn
für die Arbeit: Verwehtes Gespräch Relief
B e g r ü n d u n g : Ein Telefonat. Konzentriertes Zuhören, begleitet von skizzenhaftem Zeichnen auf einem Blatt Papier, das anschließend zerrissen wird. Eine alltägliche Situation. Gelungen ist die die technische Umsetzung einer für Papier charakteristischen Arbeit in ein artfremdes Material. Die Zeichnungen erfahren durch Siebdruck im Aufbrand auf Schnipseln aus Porzellan eine neue ästhetische Ebene und Poesie.
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Fotos: Hanna Küpper







