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Staatspreis MANU FACTUM 2005

 

 

22. Landesausstellung im Kreismuseum Zons mit kunsthandwerklichen Spitzenleistungen aus Nordrhein-Westfalen Vergabe von acht Staatspreisen und einem Sonderpreis durch eine hochkarätig besetzte Jury Der Staatspreis NRW ist mit insgesamt 45.000,00 € der höchste und bedeutendste Preis für das Kunsthandwerk in Deutschland

Die „manu factum“ findet seit 1963 alle zwei Jahre an wechselnden Orten in Nordrhein-Westfalen statt. Zur Ermittlung der Preisträger führt die Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks NRW e.V., Geschäftsstelle in Düsseldorf, den Wettbewerb durch, deren Ergebnisse das Kreismuseum Zons in diesem Jahr als Sommerausstellung konzipierte und bis zum 25. September 2005 präsentiert.
(Blick in die Ausstellung und Vergabe des Staatspreises) 
Zur Teilnahme an der Ausstellung können sich alle Kunsthandwerker und Kunsthandwerkerinnen mit einem Objekt aus ihrem Werkbereich bewerben. Sie müssen ihr 25. Lebensjahr vollendet und ihren Wohnsitz in Nordrhein-Westfalen haben. 
(hier sehen sie die Teilnehmer/innen von der AdK NRW)
311 Objekte von rund 350 Bewerbungen aus den Werkbereichen Textil, Schmuck, Metall, Holz, Keramik, Stein, Glas und Foto/Papier wurden eingereicht. Mit 90 Einsendungen war der Schmuck am stärksten vertreten, gefolgt von Textil und Holz mit jeweils 41 Bewerbungen. 112 Objekte haben die Zulassung zur Ausstellung in Zons erhalten. Die hohe Zulassungsrate von immerhin 36 % unterstreicht den hohen Standard und die Vielfalt im Bereich des Kunsthandwerks in Nordrhein-Westfalen.
 
Die wichtigsten Auswahlkriterien waren handwerkliche Qualität, eigenständige Gestaltung und innovative Konzeptionen. Neben traditionellen Techniken und Materialien waren experimentelle Arbeiten und moderne Werkstoffe in fast allen Werkbereichen zu finden. 
Ein an die Fachjury anschließendes, hochkarätig besetztes Preisgericht bestimmte aus jedem Gewerk einen Staatspreis für herausragende kunsthandwerkliche Leistungen. Die Vergabe Staatspreise zeichnet besondere kunsthandwerkliche Leistungen aus und fördert sie in besonderem Maße. 

 
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In dem Werkbereich Textil dominiert das modische Experiment. Traditionelle Methoden der Textilgestaltung sind weniger zu finden, Quilt- und Patchworkarbeiten sind gar nicht vertreten. Tragbare Kleidungstücken oder Accessiores stehen Objekten mit experimentellem Charakter gegenüber. Neben Stoffen finden sich auch auf den ersten Blick atypische Materialien, die mit textilen Methoden verarbeitet wurden: Glasperlen zur einer Robe, Aluminiumdraht zu Hüten, Glasbatist und Kokosfaservlies zu einem Kleid.
Dagegen besticht der Staatspreis, das Kleid von Nilufar Badiian aus Wegberg, durch seine Meisterschaft in der Webkunst. Durch zusätzliches Filzen ist das rechteckige Gewebe auf Körperform gebracht. Die technische Vollkommenheit klassischer textiler Techniken – Gewebe und Filz – ist in Verbindung mit feinen Goldfäden gesteigert. 

 

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Auch der Werkbereich Schmuck besticht durch Freude am Experiment und der Suche nach neuen Formen und Materialien. Eisendraht, geschmiedete Dochthalter von Teelichtern, Kunststoff in Form von Geschenkbändern, silbernes laminiertes Gewebe, laminierte Blüten oder Kunststoffgläser für Brillen sind nur wenige Beispiele.
Ketten – wie der Staatspreis von Isabelle Falzarano aus Düsseldorf - werden geöffnet und generieren zum Gehänge, zur Körperkette. Beide Ketten erhalten entweder durch filigrane Äste aus Silber, an den Enden mit Halbedelsteinen unprätentiös besetzt, oder durch bearbeitetes gewachtes Japanpapier eine transzendente Leichtigkeit. Die Gewichtigkeit, die Schmuckstücke oft vermitteln, ist aufgehoben.
 

 


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Der Staatspreis/Sonderpreis, Werkbereich Schmuck von Gisa Elmer, Düsseldorf, ist ein Ohrgehänge, das auf Silberplättchen im fototechnischen Verfahren  Diamantringe der Reichen und Schönen zeigt, an denen wie Preisschildchen der Preis der realen Ringe und der Name der Besitzerin eingraviert ist. Es handelt sich um eine gelungene Persiflage, die durch eine frische Leichtigkeit frei von pädagogisch ernsten Zeigefingern ist.
Daneben finden sich Schmuckstücke, bei denen die Kunstfertigkeit im „Weniger ist Mehr“ liegt. Perfekte handwerkliche Ausführung, die sich in Details zeigt, und die Verwendung klassischer Materialien und Formen sind die künstlerischen Leitlinien. Fern ab jedweder Moden und Trends bestechen sie durch ihre Zeitlosigkeit. 

 

 

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Im Werkbereich Glas hielten nur knapp 20 % der Prüfung stand (6 von 31 eingereichten Objekten) und . Die meisten ausjurierten Objekte unterlagen der der Modewelle, Floatglas zu verarbeiten, oder setzten mehr auf Dekoration als Gestaltung. Bestimmte Techniken der traditionellen Glasgestaltung fehlten völlig, wie die Bleiverglasung.
Mit einer Ausnahme präsentiert sich das Glas der zugelassenen Arbeiten nahezu schwebend. Bestechend ist der Einklang zwischen solider handwerklicher Arbeit und künstlerischem Entwurf. Der Staatspreis für Glas ging an Thomas Lemke aus Gevelsberg. Die kompakte Form des Würfels wird durch das Material mir seiner feinen Gitterstruktur im Inneren aufgehoben. Kraftvolle Einfachheit, sensible und handwerklich hochwertige Ausführung verbinden sich im Objekt zur spannungsvollen und dennoch harmonischen Einheit und verleiht ihm eine poetische Leichtigkeit.

 

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Reduzierte Farbigkeit, sehr subtile Oberflächengestaltungen mit Modifizierungen von weiß und Ruhe der Formen überraschen im Bereich Keramik. Es ergibt sich nahezu ein harmonisches Bild. Die Keramik der „manu factum 2005“ ist fei von lärmenden Formen oder Farben und löst zum Teil die sonst abgrenzenden Tendenzen zwischen Angewandter und Bildender Kunst auf.
Die Gefäße von Petra Bittl, Bonn, Staatspreis für den Werkbereich Keramik, zeigen einen spannungsvollen Kontrast zwischen dem groben, plastischen Material der Gefäße und ihrer Oberfläche mit fernnervigen Ritzungen und Bemalungen mit Engoben. 

 

 

 

 

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Die eingereichten Arbeiten im Werkbereich Holz zeigten durch eine absolute Vielfalt an Formen, Funktionen und
Bearbeitung ein recht disharmonisches Bild. Obwohl 42 % der eingereichten Objekte die Zulassung erhielten,  bleibt der Eindruck einer gestalterischen Stagnation.
Bei den zugelassenen Objekten ist die vollkommene handwerkliche Verarbeitung, die sich gerade in Details zeigt und weniger in der Vielfalt an überfrachteten Gestaltungselementen sehr erfreulich.
Prototypen für die Möbelindustrie mit Rückgriffen auf die frühen Siebziger, klassische Möbel mit klaren, reduzierten Formen, ausgesuchte Hölzer und mit bis ins Detail durchdachte Funktionen kennzeichnen die zugelassenen Objekte im Bereich Holz. Auffallend bei den Unikaten sind sensible und besonders materialgerechte Lösungen im Bereich der Konstruktionen. 
Der Hocker Nr. 4 von Thomas Gehn aus Düsseldorf erhielt den Staatspreis 2005 im Bereich Holz. Überzeugen konnte die Spannung zwischen der Einfachheit der Konstruktion, die hohe optische und haptische Qualität sowie die überraschende Schwerelosigkeit der massiven Hockerteile aus Eiche. 


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Knapp 8 % aller Einreichungen macht der Werkbereich Stein aus. Allerdings belegt die Zulassung von immerhin 46 % den hohen künstlerischen und handwerklichen Standard dieser Kunsthandwerker und –handwerkerinnen in Nordrhein-Westfalen. Bei den zugelassenen Arbeiten sind die materialgerechte wie hochsensible Bearbeitung der Steine oder die konsequente Umsetzung einer gestalterischen Idee auffallend.
Eine Steigerung dieser Kriterien ist  Werner Jacobs aus Mönchengladbach mit seiner Stele Nr. IV gelungen, der Preisträger des Staatspreises im Bereich Stein. Hinter der als Rundstele konzipierten Arbeit verbirgt sich eine 180º  Drehung eines Ovals. Ohne den ursprünglichen Steincharakter zu verlieren, erhält Stele durch die Bearbeitung eine eigenständige Körperlichkeit.

 

 

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Im Bereich Gerät aus Metall ist die Zulassungsrate von immerhin 44 % ebenfalls sehr erfreulich. Die Bandbreite des
Werkbereichs Geräte aus Metall schlägt sich nieder in der Art der Objekte, die in Zons zu sehen sind. Neben einer Brille aus Uhren-, Nähmaschinenteilen oder Teilen aus Diaprojektoren finden sich ein Parfumflakon, ein Reliquiarbehältnis und Tellerobjekte mit Besteck, freistehende großformatige Objekte oder ein Sitzmöbel.
Christoph Münks aus Meerbusch ist der Preisträger des Staatspreises Werkbereich Gerät aus Metall. Sein als Zylinder, bestehend auf fünf einzelnen Ringen, konzipiertes Gerüst für einen Burghof, das im Inneren eine Eibe beherbergt, steht mit seinen 2,75 m Höhe und 1,75 Umfang erhaben im Park. Der innovative Aufbau erschließt sich erst durch näheres Hinsehen und Berühren der einzelnen Ringe, die frei beweglich sind. Die kraftvoll geschmiedete Arbeit mit der Schwere des Metalls bildet mit der Leichtigkeit der Konstruktion durch die leicht schwingenden Ringe keinen Gegensatz oder Bruch, sondern verdeutlichen das harmonische Wechselspiel zwischen Stärke und Weichheit.

 

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Die wenigsten Bewerbungen waren im Werkbereich Foto/Papier zu verzeichnen (22 Objekte) und bestanden aus Buchobjekten, Papierarbeiten oder Fotografien. Diese Bandbreite schließt eine Bewertung des Gesamtbildes aus.
Den Staatspreis bekam Veronika Schäpers für das Reisetagebuch „Lob des Taifun“. Das aus handgeschöpften Papierstreifen geflochtenes Leporello mit Texten von Durs Grünbein, bildet durch sein japanisches Format für Haiku-Gedichte und seinem Buchdruck in Deutsch und Japanisch einen Brückenschlag zweier unterschiedlichen Kulturen.

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